Der zweite Spieltag der #HooliganEM 2016 in Frankreich

Die Gerüchte sagen, dass die Hooligans aus Russland mehrheitlich nach ihrem Auftritt gegen England abgereist sind. Kein Wunder also, dass es beim Spiel Russland gegen Wales relativ ruhig blieb. Den Aufreger des Spiels lieferten dafür die Kroaten mit Pyro auf dem Feld und einer internen Hauerei.
Die deutschen Rechten zeigten sich beim zweiten Spieltag nicht, dafür waren es Ultranationalisten und Faschisten anderer Länder, die sich in den Stadien präsentierten.

Auch wenn ein Großteil der Informationen sich auf szenennahe Foren, Seiten und Socialmedia-Accounts bezieht, so sind diese mit Vorsicht zu genießen. Im Bericht über den ersten Spieltag mogelte sich ein Rostocker Ackermatch gegen Hammarby ein, welches wohl schon einige Jahre zurücklag. Sämtliche Seiten, Foren und Accounts berichteten von diesem Duell und benannten einen Termin während der EM. Da Hooligans eigentlich auf Interviews mit Journalisten verzichten, den Kontakt mit der Presse vermeiden und selber keine Pressearbeit leisten sind daher kaum seriöse Quellen auffindbar.

Ausschreitungen gehen weiter

Torcida mit Pyro gegen den eigenen Verband © Ultras-Tifo

Torcida mit Pyro gegen den eigenen Verband © Ultras-Tifo

Die größten Ausschreitungen waren gleichzeitig wieder in, statt vor einem Stadion. Während des Spiels der Tschechen gegen die Kroaten zündeten laut verschiedener Quellen die Ultras von Torcida (gegr. 1950) des Vereins Hajduk Split mehrere Bengalische Fackeln und warfen sie auf das Feld. Es handelte sich dabei um eine gezielte Störung des Spiels, um eine Strafe für den Verband zu provozieren. Die Strafe kam auch prompt. 100.000 Euro und der Kroatische Fußballverband darf keine Tickets mehr an bekannte Gewalttäter verkaufen – verrückt, dass dies ausdrücklich als Sanktion benannt werden muss.

Der Hintergrund der gezielten Ausschreitungen gegen den Verband sind der Vorwurf der Korruption, der Kampf gegen die anhaltende Repressionswelle gegen kroatische Ultras und der Kampf der „Bad Blue Boys“ in Zagreb gegen den Dinamo-Präsidenten Zdravko Mamic. Ende letzten Jahres saß Mamic wegen Geldwäsche, Veruntreuung, Korruption usw. in U-Haft und kam erst gegen eine Geldauflage von 1,6 Mio. Euro heraus. In Folge des Streits mit den „Bad Blue Boys“, haben sich diese gespalten. Weshalb es öfters zu Konflikten innerhalb der Dinamo-Szene kommt, besonders bei Auswärtsspielen, da die Heimspiele von den „echten“ BBB boykottiert werden. Auch beim Spiel gegen Tschechien kam es zu Schlägereien im Kroatien Block zwischen den Ultras von „Torcida“ und „normalen“ Fans.
Detailliert lohnt sich die Google-Suche, sowie einige ältere Hefte der „Blickfang Ultra“ in der sich die BBB zu Mamic aber auch zu Neofaschismus äußerten.

Bereits am Anfang des Spieltages kam es zu einem kleinen Scharmützel zwischen englischen Hooligans und französischen Polizeikräften in Lille. Ergebnis: 30 Festnahmen bei den Engländern.

Mit Teli und Pfeffer gegen ungarische Anhänger © Ultras-Tifo

Mit Teli und Pfeffer gegen ungarische Anhänger © Ultras-Tifo

Ansonsten kam es im Stadion noch zu Schlägereien zwischen Ungarischen Fans und Zivilcops. Die Zivis drangen in den Block u.a. mit Teleskopschlagstock und Pfefferspray ein. Ihnen folgten uniformierte Cops mit Tränengasgewehren, welche sie aber nicht einsetzten. Hintergrund war wohl die Blockzuteilung für die ungarischen Fans, die für Unmut bei diesen sorgte.

Vor dem Spiel Spanien gegen die Türkei kam es zu Auseinandersetzungen, die man durchaus erwartet hatte, da es auch bei gewöhnlichen Europacupspielen zwischen Mannschaften aus diesen Nationen immer wieder eskalierte. Genaueres über Beteiligungen, Hintergrund, Stärke und Größe sowie den Ausgang ist nicht bekannt.

Allerdings konnten die Russischen Hooligans den zweiten Spieltag nicht komplett an sich vorbeigehen lassen. So griffen Russen, welche sich laut Medienberichten auf den Rückweg nach Russland befanden (von Köln aus gibt es einen Direktflug) Touristen an der Kölner Domplatte an. Bei sich sollen sie noch Tickets vom Randalespiel gegen England gehabt haben. Fünf der Hooligans landeten in U-Haft.

Trotz Zensur und angeblich erhöhter Sicherheit – weiterhin Pyro in Stadien

Im und vorm belgischen Block raucht es  © Ultras-Tifo

Im und vorm belgischen Block raucht es © Ultras-Tifo

Auch die angeblich noch mal verschärften Kontrollen nach den Ausschreitungen zwischen England und Russland, sowie die Fernsehzensur kann die Bilder von brennenden bengalischen Fackeln und den bunten Rauch auf den Rängen nicht aufhalten. Es wurde gefühlt mehr und öfter gezündelt als noch am ersten Spieltag. Natürlich sind die Bilder der Kroaten mit ihren Böllern und Fackeln klar zu sehen gewesen. Auch die Türken wurden gezeigt, welche nach der Niederlage gegen Spanien dennoch Freudenfeuer entfachten und ihre Mannschaft feierten. Beiden wurden bestraft bzw. sollen noch bestraft werden.
Daneben brannten bengalische Fackeln in den Kurven von Rumänien (gegen die Schweiz), Russland (gegen Slowakei), Polen (gegen Deutschland), Ungarn (gegen Island) und im belgischen Block war Rauch in den Landesfarben gegen Irland zu sehen. Ob auch diese Fußballverbände mit Strafen belegt werden ist bisher nicht bekannt. Vermutlich agiert die UEFA so, dass Pyro, die sich per Regieanweisung verbergen lässt, keine Strafe zur Folge hat.

Faschisten aller Länder vereinigt Euch

In den Stadien waren einige faschistische und ultranationalistische Fans anwesend. Nicht verwunderlich, wenn es um den Kampf der Nationen geht. Von Deutscher Seite war davon diesmal nichts zu hören, auch wenn das Spiel gegen Polen sicherlich für Neonazis durchaus attraktiv hätte sein können.
Unter den Rechten Freaks sind vermutlich die „Illyrian Elite“ aus Albanien noch die „Moderatesten“. Die „Elite“ bezieht sich auf das Volk der Illyrer und sind Ultranationalisten deren Grenzen auf Landkarten auch gern die heutige Landesgrenze in Albanien überschreitet.
Während der Ausschreitungen im kroatischen Block zeigten diese ein Banner. Als Untermalung des „O“ kam natürlich nur ein Keltenkreuz in Frage. Die Ultraszene in Kroatien ist durch die Bank weg „Rechts“ also nationalistisch und teils faschistisch orientiert. Bei einem Co-Trainer wie Josip Simunic, welcher in seiner Karriere neben dem Sportlichen Part auch politisch auffiel. Für den Ustascha-Gruß bei einem Spiel wurde er sowohl von einem kroatischen Gericht, als auch von der Fifa verurteilt bzw. bestraft.
Auch Faschisten aus dem benachbarten Ungarn sind bei der Europameisterschaft anwesend. Dabei handelt es sich den Bildern nach um den Hooligangruppe „XVI. Szektor“ vom Erstligisten Ferencvaros Budapest. Zu sehen waren deren T-Shirts und Fahne beim Spiel gegen Island in Marseille, direkt hinter einer Fahne des Lokalrivalen Ujpest Budapest. Ebenfalls im Block war die Hooligangruppe „Sturm und Drang“ von Diósgyőr VTK. Erkennbar waren sie bislang maximal durch ihre T-Shirts und dem Kürzel „SuD“.

Spanische Faschisten vereint. Mitte "Ultras Sur" von Real, daneben "Brigadas Sur" aus Malaga, Rechts am Rand "Brigradas Blanquiazules" von Espanyol Barcelona, auf deren Banner ein SS-Totenkopf verdeckt ist © Facebook

Spanische Faschisten vereint. Mitte „Ultras Sur“ von Real, daneben „Brigadas Sur“ aus Malaga, Rechts am Rand „Brigadas Blanquiazules“ von Espanyol Barcelona, auf deren Banner ein SS-Totenkopf verdeckt ist © Facebook

Die wohl interessantesten und eindeutigsten Neofaschisten kamen aus Spanien. Verschiedene Fotos zeigten die Gruppen „Ultras Sur“ und „Outlaw“ von Real Madrid, aber auch die „Suburbios Firm“ von Atletico Madrid. Bei den „Suburbios“ handelt es sich um eine Firm-Sektion der „Frente Atletico“, welche mit der Gruppe „Bushwackers Düsseldorf“ befreundet sind. Mitglieder von „Frente Atletico“ sind verantwortlich für die Tötung des antifaschistischen Ultra Jimmy Aguanto aus der Gruppe Riazor Blues (Deportivo La Coruna)

Neonazistische "Outlaws" mit Foto vorm Eiffelturm © Screenshot HooligansTV

Neonazistische „Outlaws“ mit Foto vorm Eiffelturm © Screenshot HooligansTV

Die Gruppe „Outlaw“ von Real Madrid wurde bis vor einigen Jahren vom Neonazi Antonio Menendez angeführt, der allerdings aus der Hooliganstruktur von Atletico stammt. Das Gruppenlogo der „Outlaws“ ist unter anderem ein Zahnrad in den Farben Schwarz, Weiß und Rot. Dies ist kein Zufall, da die „Outlaws“ über Verbindungen zu neofaschistischen Organisationen wie zum Beispiel der „Hammerskin Nation“ und „Hogar Social Madrid“. Letztere haben in Madrid Häuser besetzt und gelten als Kopie der italienischen Casa Pound. Die „Hogar Social Madrid“ verfügen über Kontakte zu den deutschen „Jungen Nationaldemokraten“ und veranstalteten mit MSR (Movimiento Social Republicano) Rudolf Hess Gedenkmärsche. Über ihre Verbindung zur Hammerskin Nation kontrollieren die Hooligans von „Outlaw“ den gesamten RAC-Bereich des Landes. RAC steht für die Musik „Rock against Communism“.

Weitere faschistische Ultragruppen aus Spanien kamen gemeinsam mit „Ultras Sur“ Madrid. Darunter „Brigadas Blanquiazules“ von Espanyol Barcelona und „Brigadas Sur“ des FC Malaga.

Wenn Ukrainer oben ohne sind lohnt sich ein genauer Blick © Facebook

Wenn Ukrainer oben ohne sind lohnt sich ein genauer Blick © Facebook

Dank Tätowierungen zeigten auch andere Fans ihre Gesinnung deutlich. Ein Ungar trug auf seinem Rücken einen Reichsadler mit Ährenkranz und Co. Statt einem Hakenkreuz befand sich dreimal der Buchstabe „E“ im Kreis. Bei den Ukrainern gab es ebenfalls allerhand zu sehen. Neofaschisten zeigten sich oben ohne und auf ihren Schultern waren aus vier Hakenkreuzen bestehende Winkelräder auf Schultern Zweier Personen zu sehen. Daneben ein achtarmiges Hakenkreuz, welches „Kolovrat“ genannt wird. Sowohl das „Kolovrat“, als auch eine Form des Hakenkreuzes soll Teil der slawischen Kultur und bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt worden sein. Besonders russische Faschisten nutzen das „Kolovrat“, darunter eine der bekanntesten russischen Rechtsrockbands aus Russland, welche gleich den Namen „Kolovrat“ nutzt.

Repression – alles safe?

Laut unseriöser Medien sollen 3.000 englische Hooligans wohl mit Ausreiseverbot belegt worden sein. Da die Zahl bereits bei Artikel aus dem Jahre 2008 zu finden war ist unklar, ob dies Zahl real und/oder aktuell ist. Dies würde allerdings erklären, weshalb Russland am Anfang so viele englische Flaggen erbeuten und „Siege“ davontragen konnte.
Ansonsten vermeldet der französische Innenminister, dass es bislang 557 Gewahrsamnahmen gab, von denen 344 länger in Haft blieben. Nur 21 Hooligans wurden zu Haftstrafen verurteilt, sechs weitere zu Bewährung. Die Haftstrafen sind dabei zwischen wenigen Monaten und anderthalb Jahren festgesetzt und von einem Schnellgericht angesagt worden. Dazu kommen rund zwei Dutzend Nicht-Franzosen, die des Landes verwiesen wurden.

Am Rande

Der Tod eines englischen Hooligans nach den Ausschreitungen von Marseille ist nirgends unabhängig bestätigt. Solche Meldungen blind zu verbreiten ist mehr als fragwürdig. Grundsätzlich gilt: Bei solchen harten Möglichkeiten, wie den Tod von Menschen, erstmal abwarten statt weiterverbreiten.

Vom Tod betroffen ist vor allem das Team der Kroaten. Trotz des Todes seines Vaters bestritt Dario Srna das Gruppenspiel gegen Tschechien. Auch der Vater des kroatischen Torwart-Trainers Marijan Mamic ist während des Turniers verstorben. Der Trainer reiste ab.
Die Nordirische Nationalmannschaft bestritt ihr Spiel gegen die Ukraine mit Trauerflor. Hintergrund war der Tod eines Fans, welcher über ein Geländer 10 Meter tief fiel und nach dem ersten Gruppenspiel verstarb.

Haben harte russische Hools eine Gruppe älterer Damen überfallen? © Screenshot HooligansTV

Haben harte russische Hools eine Gruppe älterer Damen überfallen? © Screenshot HooligansTV

Den größten Lacher des zweiten Spieltags lieferten die umstrittenen russischen Hooligans. Bereits ihre Art und Weise des Hooliganismus, wie dem Kopftreten bei Personen die am Boden liegen und die hemmungslose Gewalt gegen Personen die offensichtlich schon fertig sind steht immer wieder in der Kritik. Auch kamen Zweifel, dass sie sich bei der EM 2016 in Frankreich eventuell gar nicht so starke Gegner suchen, wie gedacht, sondern vor allem „normale“ Fans bedrohen, angreifen und abziehen. Laut Fotos in sozialen Medien, sollen russische Hooligans eine Garde älterer Damen aus der polnischen Stadt Dzierżoniów eine Fahne abgenommen haben. Wie man sich anschließend damit auszeichnen kann ist mehr als fragwürdig.

Mal sehen wie der nächste Spieltag wird und ob noch spannende Paarungen für die Finalrunden kommen.

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2 Antworten zu “Der zweite Spieltag der #HooliganEM 2016 in Frankreich

  1. Eine Mannschaft namens „Ferencvaros Ujpest“ gibt es nicht. Es gibt nur die rivalisierenden Ferencvaros Budapest und den Ujpest FC. Da der Rest Deines Artikels eigentlich auch nur Interpretationen der „News“ von Hooligans TV sind, gehe ich davon aus, dass Deine „Quelle“ das Bild der Ferencvaros Fans hinter der Ujpest Fahne auf der Hooligans TV Facebook Seite ist. Es soll eigentlich verdeutlichen, dass bei den Ungarn selbst die krasseste Clubrivalität zurückgestellt wird, wenn die Nationalmannschaft spielt.

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    • Danke für den Hinweis. Es handelt sich nicht „nur“ um die Quelle „HooligansTV“. Ich beziehe die Information, wie in der Einleitung erklärt, aus verschiedenen Medien (Foren, Seiten, Onlineartikel,…).

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