Droht Brandenburg der erste NPD-Ortsvorsteher?

Natürlich nicht. Aber fiese Spitzen sind im politischen Alltag erlaubt.

Jens Pamperin, SPD-Ortsvorsteher im Oranienburger Ortsteil Friedrichsthal, beendet seine Parteikarriere und tritt aus.
Hintergrund ist sein Umgang mit dem in der Stadt Oranienburg bekannten Tätowierer Olaf Werner. Dieser unterhält Kontakte zur Neonaziszene und unterstützte die rassistischen „Abendspaziergänge“, welche maßgeblich von der NPD angetrieben werden.


Pamperin wehrt sich gegen Berichterstattung © Screenshot

Pamperin wehrt sich gegen Berichterstattung © Screenshot

Werner spendete von ihm gemalte Tassen für eine weihnachtliche Versteigerung zur Unterstützung der „Bundesvereinigung Lebenshilfe“. Einladender zur Versteigerung war der SPD-Ortsvorsteher Pamperin. Dies sorgte für einen Artikel im „Oranienburger Generalanzeiger“. Dort wurde die Verbindung zwischen dem SPD-Politiker und dem bekannten Tätowierer problematisiert. Die notwendigen Informationen für den Artikel bezog der Autor vom Portal Inforiot.
Auf seiner Facebookseite wehrte sich der Ortsvorsteher über „die Schande“, für die sich der OGA „schämen“ sollte. Er bekräftigte, Olaf Werner sei sein Freund und „seine politische Meinung“ sei Pamperin egal.
Für sein Posting bekam er eine Menge Solidarität u.a. ein „like“ vom früheren Anmelder der „Abendspaziergänge“, Carlo-Eik Christopeit. Dies lag wohl auch daran, dass er gleichzeitig die „Abendspaziergänger“ allgemein vor dem Vorwurf des „Rechtsseins“ schützte. Laut OGA sagte er, dass die bloße Teilnahme an diesen Aufzügen, für ihn kein „Nachweis für eine rechte Gesinnung“ sei.
Stattdessen verweisen Freunde von Jens Pamperin auf die „guten Taten“ von Olaf Werner und meinen, „Olaf wäre der perfekte Bürgermeister“.

Olaf Werner (2.v.l.) zwischen Jens Irgang und Robert Wolinski bei einem Vorabtreffpunkt für eine NPD-Veranstaltung © Sören Kohlhuber

Olaf Werner (2.v.l.) zwischen Jens Irgang und Robert Wolinski bei einem Vorabtreffpunkt für eine NPD-Veranstaltung © Sören Kohlhuber

Dieser „perfekte“ Bürgermeister-kandidat unterhält seit Jahren teils intensive Kontakte in die rechte Szene. So befand er sich am 06.05.2013 in einer Gruppe mit dem jetzigen Veltener Stadtverordneten Robert Wolinski (NPD), Jens Irgang (Demoanmelder von NPD-Aufzügen in Berlin-Hohenschönhausen) und weiteren regional bekannten Neonazis an einem Vorabtreffpunkt für eine interne Veranstaltung der NPD Oberhavel. Sein Auftreten bei den „Abendspaziergängen“, sowie seine mediale Werbung auf einer Facebook-Seite für diese Aufzüge sind daher kausal, betrachtet man seine privaten Aktivitäten. Dass seine Nichte bei den „Freie Kräfte Ost“ aktiv war, ist da nur noch eine Randnotiz, die man ihm nicht anlasten kann.
Dafür kann man ihm seine „Arbeitskollegen“, sowie die Kunden seines Tattoostudios „Colour of Skin“ in Oranienburg eindeutig zur Last legen. Bei einem, der zeitweise tätowiert hat, soll es sich um den Sänger der rechten Musikgruppe „Helle & die RACker“ handeln. Dieser tätowierte auf Bildern, die auf der Facebook-Seite des Studios hochgeladen wurden, u. a. den NPD-Aktivisten Robert W. Auch die dort gefertigten Tattoos sollen sich auf die NS-Zeit glorifizierend beziehen.

Olaf Werner mit NPD-Aktivist Robert W. am Rande des Oranienburger "Abendspaziergangs" © Sören Kohlhuber

Olaf Werner mit NPD-Aktivist Robert W. am Rande des Oranienburger „Abendspaziergangs“ © Sören Kohlhuber

Nun stolperte Jens Pamperin über seine Freundschaft zu diesem braunen Tätowierer. Bereits wenige Wochen vorher stellte er sich schützend vor rechten Aktivitäten in der Gesellschaft. Ein junger Feuerwehrmann der Freiwilligen Feuerwehr Marwitz meldete einen der rechten „Abendspaziergang“ in Velten an. Pikant daran war, dass er bereits vorher auf der NPD-Seite Werbung für die Partei machte und dabei NPD-Flyer verteilte. Pamperin kritisierte daraufhin die Berichterstattung und warf den berichtenden Zeitungen vor, diese würden die Rekrutierung von neuen Feuerwehrleuten erschweren. Er als Vize-Stadtbrandmeister sagte, „solange niemand gegen das Gesetz verstößt, stört es mich nicht“.

Ein Freund mit offenbar intensiven Neonazikontakten, ein Feuerwehrmann, der für die NPD aktiv ist – all das ist in den Augen von Pamperin kein Problem. Dafür gab er nun sein 2013 erhaltenes rotes Parteibuch zurück.

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