Neue Kräfte bei Oranienburgs Abendspaziergänge

Am Jahrestag der rassistischen Abendspaziergänge in Oranienburg war nichts wie vorher. Am Aufzug beteiligten sich nur noch etwa 170 Personen, unter ihnen NPD-Funktionäre aus der Kreis- und Stadtebene. Am Rande kam es zu Zwischenfällen, als Demonstranten und Gegendemonstranten aufeinandertrafen.

Fronttransparent der Abendsapziergänger in Oranienburg. Rechts Nicol S., links mit roter Weste Reimar Leibner (NPD), im Hintergrund links Robert Wolinski (NPD) © Sören Kohlhuber

Fronttransparent der Abendsapziergänger in Oranienburg. Rechts Nicol S., links mit roter Weste Reimar Leibner (NPD), im Hintergrund links Robert Wolinski (NPD) © Sören Kohlhuber

Sowohl die Demonstration, wie auch die Gegendemonstranten veränderten ihre jeweiligen Konzepte. Die Asylgegner verlasen nicht erst Redebeiträge und starteten dann ihren Rundgang durch Oranienburg, sondern liefen nach etwa einer halben Stunde und dem mehrmaligen Abspielen der Nationalhymne ab. Auch die Begrüßung wechselte. Die bislang als Redner agierenden Carlo Eik C. und Martin U. waren nicht anwesend, dies übernahm die Zehdenickerin Nicole S. Im Zuge einer Solidaritätsarbeit für Brandopfer eines Mehrfamilienhaus von Osterne (OT Zehdenick), war sie es, die den Veltener NPD-Stadtverordneten Robert Wolinski mit ins Solidaritätsboot holte, und ihn als guten Freund bewarb. Auch bei den Abendspaziergängen und einer Diskussionsveranstaltung in der Oranienburger St. Nikolai-Kirche sprach sie für die Betroffenen des Hausbrandes Osterne und darüber, dass die NPD mit Einzelpersonen die einzigen waren, die halfen. Sie führte auch den Demonstrationszug am Fronttransparent an. Direkt dahinter liefen schon wieder altbekannte Kader der NPD wie der Oranienburger Stadtverordnete der NPD, Reimar Leibner. Doch bevor die Demonstration starten konnte, musste die Polizei schon zwei Mal aktiv werden. Unabhängig von der Demonstration, aber in räumlicher Nähe zeigte ein angetrunkener Mann den verbotenen „Hitlergruß“. Beamte nahmen seine Personalien auf. Aber auch in Bezug auf die Versammlung wurden sie aktiv, als eine Fahne der „Gewerkschaft der Polizei“ hochgehalten wurde. Sie beschlagnahmten diese, da der Träger kein Polizeibeamter sei. Auch eine andere Fahne zeigten die Demonstranten, die der IG Metall. Diese distanzierte sich bereits auf Twitter von dem Träger und verwies auf die Gewerkschaftsposition, „Für eine solidarische Flüchtlingspolitik“.

IG Metall Fahne auf Abendspaziergang © Sören Kohlhuber

IG Metall Fahne auf Abendspaziergang © Sören Kohlhuber

Die Stimmung der Demonstranten war besonders aggressiv, wenn sie auf Asylbefürworter trafen. Am Rande des Aufmarsches versuchte Robert Wolinski Gegner durch persönliche Gespräche einzuschüchtern, andere versuchten Schilder von Gegendemonstranten zu entwenden. Dabei sei es auch zu körperlichen Kontakt gekommen. Im weiteren Verlauf wurde auch eine Person wegen Vermummung durch die Polizei festgestellt. Als der Demonstrationszug an einer Gegenkundgebung vorbeilief, kam es mehrfach zu gegenseitigen Beleidigungen und die Polizeikräfte mussten einen Asylgegner an einem Angriff auf die Gegendemonstranten abhalten und schubsten ihn in die Demonstration zurück. Dieser ging nicht bis zum Abschluss der Kundgebung. Über die Lehnitzstraße und den Luisen-Henrietten-Steg versuchten er und andere ehemalige Demonstrationsteilnehmer, Gegendemonstranten anzugreifen, die auf dem Weg zum Bahnhof waren. Sowohl Beamte des Staatsschutzes, wie auch der Bereitschaftspolizei mussten dazwischen gehen, schrieben die Personalien auf und erteilten Platzverweise gegen die teils angetrunkenen Asylgegner.

Aktivist der "Identitären Bewegung Berlin-Brandenburg" verließt Redebeitrag, dahinter mit Brille, Burkhard Sahner (KV-Vorsitzender der NPD) © Sören Kohlhuber

Aktivist der „Identitären Bewegung Berlin-Brandenburg“ verließt Redebeitrag, dahinter mit Brille, Burkhard Sahner (KV-Vorsitzender der NPD) © Sören Kohlhuber

Die Reden der Asylgegner folgten diesmal erst nach dem Aufmarsch. Unter ihnen befand sich auch ein Mitglied der Identitären Bewegung aus Berlin. Von einem Klemmbrett verlass er standardisierte Phrasen, die er schon wenige Tage zuvor in Strausberg vortrug. Die Identitären kündigten vor Kurzem eine Kampagne in Brandenburg für das Jahr 2016 an.
Auch nach der Beendigung der beiden Veranstaltungen bleib es hitzig. Mitglieder der Linkspartei berichten von bedrohlichen Gebaren ehemaliger Teilnehmer der Anti-Asyl-Demonstration, während die Asylbefürworter die technische Anlage in Autos gebracht wurden. Sie riefen u.a. „Wir kriegen euch alle.“ Kommenden Freitag finden die Asylgegner ihren Jahresabschluss in Nordoberhavel. Am Markt von Fürstenberg/Havel wird es den ersten Abendspaziergang geben.

Advertisements

Eine Antwort zu “Neue Kräfte bei Oranienburgs Abendspaziergänge

  1. Pingback: Braunzonenkonzert in links-besetztem Haus? | Soeren Kohlhuber

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s