„Ich bin hier willkommen!“ – Begegnungsfest in Berlin-Weißensee

„Ich bin hier willkommen!“ steht in verschiedenen Sprachen auf T-Shirts. Sie liegen geordnet nach Größen auf einem Tisch im Jugendklub „Old Cinema 23“, kurz „OC 23“, in Berlin-Weißensee. Unter dem Motto „Come together“ haben verschiedene Jugendklubs aus dem Bezirk Geflüchtete aus Unterkünften eingeladen einen gemeinsamen Tag zu verbringen.

Ein T-Shirt als klare Ansage gegen Rassisten © Sören Kohlhuber

Ein T-Shirt als klare Ansage gegen Rassisten © Sören Kohlhuber

Bereits der Austragungsort des gemeinsamen Festes ist ein besonderer. Erst vor kurzem übernahm der Kinderjugendring Berlin die Einrichtung. Es gab zwischen dem Vorgängerträger und dem Bezirk Unstimmigkeiten über das pädagogische Konzept des alten Trägers. Ein älterer Kritikpunkt war auch der Umgang mit Neonazis. Die Leiterin des „OC 23“, Nadine Hoff, weiß auch um die Problematik der „akzeptierenden Jugendarbeit“. Doch mit ihr wird es so was nicht geben sagt sie.

In Schüben treffen Geflüchtete im „OC 23“ ein. Für sie ist ein Buffet aufgebaut worden und dazu allerhand an Freizeitaktivitäten. Das Angebot reicht dabei von Kindern bis hin zu jungen Erwachsenen. Recht schnell verteilen sich alle. Einige lassen sich mit Farbe unechte Tattoos auf die Körper malen und besonders die kleinen genießen traditionell das Kinderschminken oder Buttons selber machen. Die Älteren dagegen nehmen Unterricht bei zwei Breakdancern und später bei einer Zirkusgruppe. Doch auch ohne Anleiter ist es eine Ablenkung vom oft eintönigen Alltag in den Unterkünften. An den Billiard-, Kicker- und Airhockey-Tischen bilden sich Teams aus Deutschen und „Neuberliner“, wie sie OC 23-Leiterin Nadine, nennt. Jubelschreie und Aufmunterung kann Grenzen überwinden. Und wo es doch zu leichten Sprachbarrieren kommt, helfen Hände und Füße.

Breakdance-Übungen © Sören Kohlhuber

Breakdance-Übungen © Sören Kohlhuber

Eins haben alle gemeinsam. Jeder, ob Einheimischer oder Neuberliner – sie tragen die Shirts mit dem Motto „Ich bin hier willkommen“. Nina R., Sozialarbeiterin im „Haus der Jugend – Bunte Kuh“ hat nach nur kurzer Zeit ein Problem, die Größen M und S gehen zur Neige. Sie ist froh, dass die T-Shirts und auch Beutel so angenommen werden. Der Spruch soll auch gleichzeitig eine Message der Geflüchteten zeigen und nicht nur ein passives „Sie sind willkommen“ darstellen.

Zum Ende des Tages stellen sich die Jugendfreizeiteinrichtungen vor, die diesen Tag organisiert haben. Neben der „Bunten Kuh“ und dem „OC 23″ öffnen auch die „Mahler20“ und das „Maxim“ ihre Tore gezielt den Kindern und Jugendlichen aus den Unterkünften. Ein Übersetzer erklärt der Zielgruppe wann wer aufhat und was man dort machen kann.

Die T-Shirts sind alle. Das Buffet fast alle. Das Ende leiten die Geflüchteten ein. Mit arabischer Musik und Tänze sind sie es nun, die ein Angebot für die Deutschen schaffen. Auch einer der Breakdancelehrer nimmt am Halay/Dabke, einem klassischen Tanz im Nahen Osten, teil. Die Beschallung des ehemaligen Kinosaals übernahm das Berliner Rockmobil und das HipHop-Mobil. Diese boten daneben einen Graffiti-Workshop an.

Doch auch so ein Tag läuft nicht immer reibungslos ab. In einer Einrichtung kam der Shuttle 15 Minuten nach dem vereinbarten Termin an. Doch da waren, wie es ein Sicherheitsmann sagte, bereits alle wieder auf ihren Zimmern. Obwohl es sogar eine Namensliste von Geflüchteten gab, die teilnehmen wollten, sah sich der Wärter nicht bemüßigt diese zu suchen und zu holen. Auch ein Betreten der Unterkunft war für den Fahrer des Shuttles unmöglich. Dank einem direkten Telefonat mit der Heimleitung konnten dann aber doch einige Kinder am Fest teilnehmen. Der Tag ist allerdings auch keine Einzelaktion. Verschiedene Workshops liefen bereits vorher und laufen auch weiter, an denen mal mehr und mal weniger Geflüchtete mitmachen. Gefördert wurde der Tag, wie auch die Workshops mit Mitteln des Jugendamtes Pankow.

Bilder vom Tag auf Flickr

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2 Antworten zu “„Ich bin hier willkommen!“ – Begegnungsfest in Berlin-Weißensee

  1. Zur Ergänzung: mitorganisiert und unterstützt wurde die Veranstaltung auch vom Berliner Rockmobil und dem HipHop-Mobil, die sowohl die Beschallung als auch einen Graffiti-Workshop gestellt haben, unterstützt vom Berliner Senat für Bildung, Jugend und Wissenschaft. 🙂

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