Marzahn und die 50 vermeintlich Bürgerbewegten… a never ending story?

Am 126. Geburtstag von Adolf Hitler griffen Neonazis am Rande eines Aufmarsches in Berlin-Marzahn Antifaschisten mit Steinen an. Später attackierten weitere Neonazis in Berlin-Buch Wachmänner eines Asyl-“Containerdorfes“. Keiner der Angreifer wird festgenommen.

Die Neonazis

Neonaziaufzug © Sören Kohlhuber

Zum 21. Mal in Folge kündigte die selbsternannte „Bürgerbewegung Marzahn-Hellersdorf“ einen Aufzug durch Marzahn an. Immer Montags sorgen sie auf der Landsberger Allee für Staus im Feierabendverkehr, um gegen die Errichtung von Containerdörfern zu demonstrieren. Die Teilnehmerzahl, welche im November noch bei fast 500 lag, schrumpft und stagniert inzwischen bei nur noch 50 Teilnehmern. Zum überwiegenden Teil stammen diese aus dem Spektrum der Partei „Die Rechte“ sowie aus Aktivisten der lokalen rechten Szene und rechtsoffenen Anwohnern.

Gegen Organisatoren des Aufmarsches läuft seit kurzem ein Ermittlungsverfahren wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (§86a), sowie Volksverhetzung (§130). Via Twitter frohlockte René Uttke, welcher wieder mit Megaphon den Aufmarsch anleitete, über den Absturz der Germanwings-Maschine vor einigen Wochen, da einer der Toten Israeli war. Gleichzeitig zierte sein Profilbild ein Hakenkreuz.

Vor dem Start ihres Aufmarsches hatten die Neonazis bereits pulsierende Halsschlagadern. Drei Fahnen des Deutschen Reiches wurden durch die Polizeikräfte beschlagnahmt. Dies war allerdings nicht der Auslöser für eine aggressive Stimmung. Diese ist inzwischen Standard bei den Montagsaufmärschen in Marzahn. Bereits mehrfach kam es hierbei zu Angriffen auf Antifaschisten und Einschüchterungsversuchen gegenüber Journalisten. So auch an diesem Tag.

Besonders hervorgetan hat sich dabei die Hellersdorferin Daniela F., welche bereits in den 1990er Jahren als Teil des Anti-Antifa-Netzwerkes in Berlin aktiv war.

Sie rief einem Journalisten zu: „Auch du bist irgendwann dran. Fühl dich mal nicht zu sicher“. Einem anderen rief sie zu: „Auch Zecken haben Namen und Adressen“. Von beiden Journalisten befanden sich Fotos auf den Fahndungsplakaten, welche von Berliner Neonazis angefertigt wurden und gezielte Angriffe auf Journalisten provozieren sollten. Bereits im vergangenem Jahr verübten mutmaßlich Neonazis zwei Brandanschläge auf Autos eines Berliner Journalisten, der häufig Neonaziaufmärsche beobachtet.

Die Antifademo

Antifaschisten werden druch Polizeikräfte von Fahrbahn gedrängt © Sören Kohlhuber

Bereits um 18 Uhr trafen sich etwa 150 Antifaschisten am Bahnhof Ostkreuz um geschlossen die Gegendemonstration vom Bahnhof Marzahn aus zu unterstützen. Angekommen am Bahnhof Marzahn gab es nur eine minimale Besetzung der Berliner Polizei. Die Demonstration wuchs auf etwa 200-250 Teilnehmern an und zog ohne Probleme, Parolenrufend, durch die Landsberger Allee und ein wenig durch den Marzahner Bezirk, um sich dann an der Kreuzung Blumberger Damm / Landsberger Allee den Neonazis entgegenzustellen. Auf dem Blumberger Damm nahmen die Neonazigegner beide Straßenseiten in Beschlag. Die Polizeikräfte drängten mittels einfachem Schubsens die Gegner auf nur eine Straßenseite. Während die Antifaschisten gegen diese Maßnahmen protestierten, johlten und jubelten die Neonazis darüber. Die Polizei setzte einige Polizeihunde ein, um die Linie zu halten, da sie mit nur etwa 100 Beamten der 15. Einsatzhundertschaft vor Ort war und die personell notwendigen Kapazitäten offenbar nicht ganz so gut kalkuliert wurden. Die etlichen Zivilbeamten, welche ihre Kollgen unterstützen sollten, kümmerten sich eher um das Beobachten der Szenerie und stellten keine größere Hilfe dar.

Der Neonaziangriff

Neonazis ergreifen die Flucht nach antifaschistischen Selbstschutz © Sören Kohlhuber

Nach dem die Neonazis Aufstellung genommen hatten, versuchten 50 Antifaschisten durch Häuserschluchten der Plattenbausiedlung an die Route heranzukommen, um den Aufzug zu behindern bzw. in Sicht- und Hörweite zu gelangen. Dabei wurden sie an einer Wiese von etwa 15-20 Neonazis angegriffen. Die Neonazis stammten augenscheinlich aus dem Hooligan-Spektrum. Der Angriff war koordiniert geführt worden. Die Angreifer teilweise vermummt. Sie warfen mit Flaschen und Steinen in Richtung der Antifaschisten, welche in Richtung einer Polizeikette auswichen. Die Polizeikräfte stoppten die Antifaschisten und forderten sie auf, wieder in die Richtung zu gehen, aus der sie gekommen waren. Als Antifaschisten entgegneten, dass diese dort nicht hin wollen, da sie dort von Neonazis angegriffen werden, entgegnete ein Beamter: „Dann geht doch einfach nach Hause.“ Nun konnten die Antifaschisten nicht anders handeln. Während weiterhin Steine durch die Neonazis geschmissen wurden, rannten die Antifaschisten auf die Neonazis zu. Letztere ergriffen die Flucht und wurden kurzzeitig verfolgt. Dennoch konnten sie entkommen und nicht gestellt werden. Auch die Polizei griff erneut nicht ein. Sie agierten erst wieder, als Antifaschisten aus dem Wohnblöcken in Richtung der Neonazisroute laufen wollten, in dem die Ausgänge durch Polizeiketten abgeriegelt wurden. Die Folge dieser Auseinandersetzung war, dass Zivilkräfte in PKWs nun durch Seitenstraßen fuhren um Bewegungen der linken Gegendemonstranten zu beobachten. Die Neonaziangreifer dagegen waren bereits über alle Berge.

Neonazis auch aktiv in Buch

Würdevoller konnten die Neonazis den Geburtstag ihres geliebten Führers nicht zelebrieren. Während die einen in Hooligan-Manier Antifaschisten in Hinterhöfen attackierten, rüttelten in Berlin-Buch die anderen am Zaun eines „Containerdorfes“ für Asylsuchende. Sie versuchten die Wachmänner zum Kampf aufzufordern und griffen sie unter anderem mit einer Flasche an.
In beiden Fällen sind die Angreifer ohne Strafe davongekommen.

In Buch wird diese Woche ein „Containerdorf“ errichtet und 480 Flüchtlinge werden dieses beziehen. Gegen dieses richtet sich seit Monaten ebenfalls Protest. Angefeuert wird dort der Protest durch den Pankower NPD-Chef Christian Schmidt. Auch dieser verlas auf einer Kundgebung den Namen eines lokalen Journalisten, um diesen Einzuschüchtern.

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