Der Dritte Weg – Aufbau Ost

Seit einiger Zeit forciert die neonazistische Splitterpartei „Der III. Weg“ einen Ausbau ihrer Aktivitäten in der Ostzone. Dabei schreckt sie nicht vor der Abwerbung von NPD-Mandatsträgern zurück und konzentriert sich besonders auf die Orte, in denen die NPD in der Vergangenheit versagte. Ein Blick auf die Entwicklung in Berlin und Brandenburg.

Der Dritte Weg – ein Exportschlager?

Berliner Neonazis in Wunsiedel. Vor der Fahne Uwe Meenen (mit Mütze) und Maik Eminger (ohne Mütze). Hinter der Fahne mit Brille Jens Irrgang (Anmelder der Neonaziaufmärsche in Berlin-Hohenschönhausen) © Sören Kohlhuber

Anfangs war der „Dritte Weg“ noch eine kleine, eher bedeutungslose Erscheinung aus Rheinland-Pfalz und Baden Württemberg. Ausgestattet mit einem10-Punkte-Plan, der an das „25 Punkte-Programm“ der NSDAP angelehnt ist. Die Aufnahme der militanten bayerischen Kameradschaft „Freies Netz Süd“ (FNS), im Zuge des Verbotsverfahrens dieser Organisation, sorgte für eine scheinbar plötzliche Expansion nach Bayern. Und für eine deutliche Zunahme von Aktivität und Wahrnehmung der Partei, in der vier von fünf Mitglieder des Bundesvorstandes aus Rheinland-Pfalz stammen. Der Außenseiter ist das ehemalige Kreisvorstandsmitglied der NPD in Berlin-Pankow, Sandor Makai. Seit 2014 drückt sich die Partei, mit einem unübersehbaren Hang zur NS-Ästhetik, allmählich gen Norden und verfügt über Grundstrukturen in Hessen, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen. In Sachsen begangen vor allem die Aktivitäten nach dem Aufmarsch am 01.05.2014 in Plauen. Ähnliches erwartet man für Thüringen, wo der III.Weg am 01.05.2015 aufmarschieren will – in Saalfeld.

Der Dritte Weg ist besonders interessant für Strukturen, die mit Verboten belegt sind oder werden, da das Parteiengesetz als Schutz verstanden wird. Ziel ist jedoch nicht, wie bei der NPD, der Kampf um die Parlamente. Neben dem „antritt zu Wahlen und dem politischen Kampf auf der Straße liegt das Hauptaugenmerk der Partei vor allem im Bereich des kulturellen Kampfes und im Kampf um die Gemeinschaft.“ Dabei setzt die Partei auf „Elitenbildung“. So wird man ohne Probleme Fördermitglied und somit passives Mitglied, doch um in den Kreis der Elitekämpfer „für Volk und Heimat“ werden, braucht es eine Schulung an deren Ende man in einer Ehrung Vollmitglied wird.

Der Dritte Weg in Brandenburg

Der Dritte Weg in Wittstock, Tony Gentsch (2.v.l.), daneben Matthias Fischer (3.v.l.) © Ney Sommerfeld

Nach dem Zuzug des FNS-Kaders Mathias Fischer aus dem Frankenland in die brandenburgische Uckermark begannen nun auch in der „Mark Brandenburg“ die Aktivitäten des III.Weg. Angefangen mit Flugblattaktionen und internen Stammtischen folgten schnell Kundgebungen in Brandenburg/Havel, Eisenhüttenstadt und zuletzt Wittstock, bei denen die neue Partei eine maßgebliche Rolle spielte. Dabei sind es nicht nur zugezogene Neonazis, sondern auch gestandene Aktivisten, die in die Partei drücken. Nach außen hin war es vor allem Maik Eminger, Bruder des mutmaßlichen NSU-Helfers André, der die Partei in den ersten Wochen vor Ort vertreten hat. Er meldete beispielsweise die Kundgebung in Eisenhüttenstadt an und wurde als Redner für die Partei angekündigt. In Wittstock trat neben ihm der Belziger Pascal Stolle als Redner auf. Stolle war bis vor kurzem noch für die NPD Mandatsträger in der Stadtverordnetenversammlung von Bad Belzig. In seinem Facebook-Profil gab er zu seinem Wechsel an, niemals Mitglied in der NPD gewesen zu sein und nun, „nach langem Überlegen und Gesprächen“, entschieden zu haben, in die Splitterpartei eintreten zu wollen. Positiv kommentierte dies Sascha Lücke, Neonazi aus Brandenburg/Havel und verurteilter Totschläger. Kurze Zeit später berichtet die Partei von „Anwerbeversuchen durch den Verfassungsschutz“ in der Havelstadt. Ob damit Lücke gemeint ist, ist unbekannt, aber naheliegend, wenn man bedenkt, wie gern sich der Verfassungsschutz gerade an straffällig gewordenen Neonazis bedient.

Im Zuge der Mobilisierung zu einem Neonaziaufmarsch in Wittstock sind auch hier Aktivitäten des III.Weges auffällig geworden. Die Prignitz war seit der NPD-Spaltung im Jahr 2004 ein blinder Fleck für rechte Parteien. Die Freien Kräfte entwickelten sich als Hauptorganisation und bis auf ein, zwei Einzelpersonen konnte die NPD kaum Erfolge vermelden. Wohlwollend reagierten in sozialen Netzwerken Aktivisten der Region auf die Aktivitäten der Partei vor Ort. Neben der Beteiligung am Aufmarsch und dem Aufstellen von gleich drei der fünf Redner fanden auch Flugblattverteilungen in einigen Gemeinden der Region statt. Am Aufmarsch selbst nahmen mehrere Neonazis teil, teilweise extra aus Bayern angereist.

Im Anschluss an die Demonstration sollen sich einige Neonazis, darunter einige Auswärtige, zu einem „Liederabend“ in einer ehemaligen Gaststätte in einem Nachbardorf getroffen haben. Die Veranstaltung wurde durch die Polizei beendet. Es ist nicht bekannt, ob die Veranstaltung in Verbindung mit den Aktivitäten des „Dritten Weg“ oder mit einer Werbeveranstaltung zum „Tag der deutschen Zukunft“ am 06.06.2015 in Neuruppin, steht.

Der Dritte Weg goes Reichshauptstadt

Franziska G. mit Jacke des III.Weg © Ney Sommerfeld

Bekannt dagegen ist die Gründung eines Stützpunktes in Berlin, einen Tag nach dem Aufmarsch in Wittstock (28.03./29.03.2015). Bereits in Wittstock fiel Franziska G. mit einer Jacke der Splitterpartei auf. Franziska G. stammt aus dem Umfeld der „Bürgerbewegung Hellersdorf“, welche seit 2013 die rassistische Hetze gegen Asylbewerber antreibt. Auch fiel sie beim Fußball auf, als sie beim Berliner Landespokalspiel Eintracht Mahlsdorf gegen Tennis Borussia Berlin gemeinsam mit Hellersdorfer Neonazis eine Drohkulisse gegen den linken Gästeanhang und Journalisten aufbaute. Zwar war einer ihrer Weggefährten der letzten zwei Jahre, Kai Schuster (1999 Kandidat der NPD in Berlin-Hellersdorf) ebenfalls vor Ort, doch beide liefen in verschiedenen Blöcken. Mit dem seit Jahren scheinbar unsichtbaren Sandor Makai (zuletzt wurde er 2011 auf Berliner Aufmärschen gesehen) und Franziska G. sind zwei Personen aus verschiedenen Berliner Lagern mutmaßlich an der Gründung der Konkurrenz zur Rumpelkammer der „Rechten“ und der eventuell in Zukunft verbotenen NPD beteiligt. In einer offiziellen Verlautbarung des III.Weg, gehen sie mit dem „nationalen Lager in Berlin“ hart ins Gericht und stellen fest, dass die Szene „in viele kleine Gruppen aufgeteilt“ ist, in der „bisherige nationalgesinnte Parteien […] durch ihr Handeln in vielen Bereichen verbrannte Erde hinterlassen“ hätten. Bei der Gründung in Berlin waren, mit Matthias Fischer – der den Moderator mimte – und Tony Gentsch als Gastredner, ehemalige Kader des inzwischen verbotenen FNS anwesend und in den Ablauf massiv eingebunden.

Der Stützpunkt Berlin ist auf der Partei-Webpräsenz als offizieller Stützpunkt gelistet, obwohl er bisher keine Aktivitäten entfaltete. Anders beim Brandenburger Stützpunkt – er ist nicht offiziell, dafür jedoch durchaus öffentlichkeitswirksam aktiv.

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