MVgida erhält Konkurrenz

Zwar ist er nicht mehr Anmelder der MVgida-Aufmärsche, doch teilnehmen wollte Enrico Naumann schon, wenn nur noch 150 Bewegungsdeutsche am Sund aufmarschieren. Gleichzeitig plant er Konkurrenzangebote für die Abtrünnigen, mit einem gezielten neuen Fokus: Der Kampf gegen die USA.

Auch rechts von rechts gibt es kein Erfolg

MVGida in Stralsund Anfang Februar © Sören Kohlhuber

Die neue Führung der MVgida kann den Niedergang ihrer „Bewegung“ nicht aufhalten. Nur noch 150 Menschen folgten einem Aufruf zu dem von Antje Mentzel (Landesvorsitzende Ring Nationaler Frauen Mecklenburg-Vorpommern) angemeldeten Spaziergang. Einige bezeichneten diesen sogar als Trauermarsch. Der mecklenburg-vorpommersche Pegida-Ableger wandte sich zuletzt offen ans neonazistische Spektrum. Gebracht hat es nichts. Versuche, organisierte Neonazis als Redner auftreten (Giesen in Schwerin) oder die Demonstration durch solche anmelden zu lassen, scheiterten ebenso wie zuvor die Anmeldung durch Enrico Naumann.

Inhaltliche Differenzen werden sichtbar © Screenshot

Inhaltliche Differenzen werden sichtbar © Screenshot

Seit dem 12. Januar dieses Jahres fanden insgesamt 12 Abendspaziergänge in Schwerin, Rostock und Stralsund statt. Begannen die Aufmärsche noch auf dem Kamm der Pegida-Welle mit dem Thema „Islamisierung Europas“ und konnten fast 600 Teilnehmer mobilisieren, wurden nicht nur die Teilnehmer deutlich weniger. Thematisch wurde der Ukraine-Konflikt zentraler.

Tote Hose bei MVgida © Screenshot

Dabei rückten die Solidarität mit Russland und die Agitation gegen die USA vermehrt in den Fokus. So wurde auch der Austritt aus der Nato zum Thema. Neben dem dennoch bleibenden Gassenhauer „Asyl und Migration“ dürfte dieses Thema abschreckend wirken. Zumindest auf der Facebook-Seite von MVgida sorgt die Solidarität mit Russland für Diskussionsstoff. Doch einer hat schon erkannt, woran es hakt und sieht nun die Chance für die Wiederkehr als Retter: Enrico Naumann. Auf seiner neuen Facebook-Seite „MV.ge. Kriegstreiber USA“ fragt er nach dem Desaster: „was ist das gestern gewesen bei MVgida?“. Er selbst war der Ostsee-Zeitung (OZ) zufolge vor Ort und kann deshalb auch die Lösung anbieten: „Wird Zeit das ein Patriot das wieder macht !!!!!

Der Patriot auf neuen Pfaden

Nach bisherigen Informationen versucht es Naumann wieder. Aber nicht mit der Bewegungsleiche MVgida. Diese lassen den 6. April 2015 in ihrem wöchentlichen Rhythmus verstreichen und werden erst am 13. April die Landeshauptstadt Schwerin besuchen. Idealer Moment für Naumann, die Lücke der 100 bis 200 Teilnehmer zu schließen. Er will am 06. April mit seinen Patriotenfreunden aufmarschieren. Anzunehmen ist, dass dies der „Startschuss für „MV.ge. Kriegstreiber USA“ ist – eine wirre Mutation aus Pegida, die bundesweit bekannt ist unter dem Namen Pegada (Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes) bzw. Endgame (Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas) und sich aus HoGeSa-Abtrünnigen, Reichsbürgern und Mahnwachen-Wichteln speist. Vereinzelt sollen auch Linke dort ihr Unwesen treiben, die bipolare geistige Weltordnung im alten Muster dürfte diese Querfront unterstützen.

55 Menschen im MV sind gegen die Kriegstreiber USA © Screenshot

Zwar ist Facebook kein Gradmesser für einen Erfolg. Doch die von Naumann geschaltete Seite kommt nach 20 Tagen gerade einmal auf 55 Likes. Die Mobilisierungsreichweite dürfte in keinem Verhältnis zu der von MVgida stehen. Aktuell hat Naumann seine Veranstaltung noch nicht beworben. Es ist davon auszugehen, dass auch er nicht an die Teilnehmerzahlen von Januar herankommen wird.

Gegenwind muss nicht immer menschlich sein

Am vergangenen Montag blies den Teilnehmern des Marsches ein kräftiger Wind vom Sund her ins Gesicht. Die geringe Teilnehmerzahl nahmen einige Kritiker zum Anlass zur spöttischen Frage, ob die übrigen MVgidas vom Winde verweht seien. Mehr als der Spott blieb den Gegnern auch nicht. Statt zu Gegenkundgebungen riefen sie zu einem Streik auf, um den gesetzlichen Demonstrationslohn durchzusetzen. Der Kampf wurde unterstützt von der DgfDK (Deutsche Gewerkschaft für Demonstrationskultur). Eine satirische Antwort auf das Gerücht, dass Gegendemonstranten bei Pegida-Aufmärschen 25 € Stundenlohn bekommen würden. Der Streik erreichte nicht jeden bzw. wurden offenbar staatliche Streikbrecher eingesetzt. Wie die OZ berichtet fanden sich immer wieder Einzelpersonen, die gegen den Marsch protestierten. Der reale Hintergrund waren, so das „Bündnis Stralsund nazifrei“, anhaltende Probleme mit dem Oberbürgermeister Dr. Alexander Badrow und dem Landrat Ralf Drescher. Sie beklagen, dass die Kreisverwaltung den Organisatoren des Gegenprotestes rechtlich fragwürdige Auflagen erteilt hätte, um dem Gegenprotest Steine in den Weg zu legen.

Wie sich der Protest in den nächsten Wochen weiter präsentiert, wie es mit MVgida weitergeht und was Naumann nun konkret vorhat: In Mecklenburg-Vorpommern bleibt es nicht unspannend.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s