Neonaziaufmarsch in Weimar erfolgreich blockiert

Zu einem „Trauermarsch“ anlässlich der Bombardierung der Stadt Weimar wollten 130 Neonazis aus verschiedenen Bundesländern durch die Stadt ziehen. Eine Blockade konnte dies nach 650 Metern verhindern.

Mehr als vier Stunden blockierten Gegendemonstranten den Weg zum Antreteplatz der Neonazis © Sören Kohlhuber

Bereits in den frühen Morgenstunden, gegen sieben Uhr hatten sich etwa 30 Gegendemonstranten zwischen dem Antreteplatz und dem Bahnhof gesetzt. Bis kurz vor 12 Uhr, dem Start der Neonazidemonstration, blockierten sie so den Aufmarsch. Mehr als 100 Neonazis versammelten sich zeitgleich im Bahnhofsgebäude und auf den Bahnsteigen. Die Neonazigegner gaben schließlich aufgrund der Ankündigungen von Strafanzeigen freiwillig auf.

Es war der vierte „Gedenkmarsch“, welcher federführend vom Thüringer Neonazi Michael Fischer organisiert wurde. Die Durchführung am Tag überließ er wie im vergangenem Jahr Mitgliedern des Berliner Landesverbandes der Partei „Die Rechte“. Erneut fungierte Uwe Dreisch (Landesverbandsvorsitzender) als Veranstalter und verlas stotternd die „internen Auflagen“ zur Begrüßung. Gesine Schrader, ebenfalls Mitglied des Landesvorstandes, engagierte sich als Ordnerin. Bereits im vergangenen Jahr stellten etliche Neonazis aus Berlin die Ordnerstruktur. Der Berliner Neonazi Tim W., war einer dieser Ordner im vergangenen Jahr. Er griff am Ende des Aufmarsches den Weimarer Polizeileiter an und verletzte ihn. Die Folge war ein Strafbefehl in Höhe von 1.200,00 € für den Berliner Neonazi – den Strafbefehl hat er akzeptiert. W. nahmen die Berliner Neonazis dieses Mal nicht mit.

Uwe Dreisch, Landesvorsitzender die Rechte, Berlin eröffnet die Versammlung © Sören Kohlhuber

Weitere Neonazis kamen unter anderem aus Sachsen-Anhalt, Sachsen, Niedersachsen und dem Saarland. Zum ersten Mal fanden sich mehr als 100 Neonazis zu diesem Trauerzug ein. Ein Grund könnte der 70. Jahrestag sein. Wahrscheinlicher ist die Verbindung zu einem Neonazikonzert im Thüringischen Kirchheim am selben Abend.

Gegen die zu Beginn verlesenen internen Auflagen verstießen mehrfach Neonazis. In den Auflagen hieß es unter anderem:

  • Während des Trauermarsches herrscht ein striktes Rauchverbot.
  • Sollte es zu einem Stillstand kommen, ist das Rauchverbot aufrecht zu erhalten.
  • Sollte es zu Provokationen außerhalb des Marsches kommen, ist dem kein Gehör zu schenken. Es ist Disziplin zu wahren!
  • Kurz nach dem Start der Demonstration, wurde diese von einem Haus aus mit alten Broten und einer Glasflasche beworfen. Innerhalb des Demonstrationsaufzuges kam es zu Hektik und rassistischen, sowie antisemitischen verbalen Bedrohungen gegenüber den Angreifern. Von Disziplin war nichts mehr zu sehen. Auf einer Zwischenkundgebung erleichterte sich ein Neonazi an einer Häuserwand, abgeschirmt durch den Berliner Neonazi Ronny Schrader und einem weiteren Kameraden. Beide standen zufällig in der Ecke, da sie dort eine Raucherpause – trotz Rauchverbot – abhielten.

    3.v.r. Neonazi mit Schutzbewaffnung (Handschuhe) © Sören Kohlhuber

    Nach 650 Metern war am Zeppelinplatz Schluss. Neonazigegner hatten die drei Zufahrtsstraßen blockiert. Der Polizeiführer gab an zu wenig Einsatzkräfte zu haben, um die Blockierer wegtragen zu können. So blieb den Neonazis, unter dem Jubel der Gegendemonstranten, nur noch der Rückweg zum Bahnhof. Immerhin konnten sie somit weiter laufen, als noch im vergangenen Jahr.

    Bildmitte, vermummter Neonazi © Sören Kohlhuber

    Vereinzelt waren Neonazis vermummt und trugen Handschuhe mit Protektoren. Letztere sind aufgrund der Passivbewaffnung bei Versammlungen verboten. Gegen beide Verstöße agierten die eingesetzten Beamten, wie bereits in den vergangenen Wochen bei den verschiedenen „Gida-Demonstrationen“, erneut nicht.

    Die Gegendemonstranten rund um das „Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar“ bedankte sich im Anschluss an einen Demonstrationszug durch die Innenstadt bei allen Aktiven des Tages. Mit mehr als 1.000 Menschen auf verschiedenen Kundgebungen und der Sitzblockade vom Morgen habe man bereits ein richtiges Zeichen gesetzt. Die erfolgreiche Blockade war dann nur das Sahnehäubchen. Die Neonazis kündigten an, auch im kommenden Jahr wieder aufmarschieren zu wollen.

    Bilder vom Aufmarsch finden sich bei Sören Kohlhuber ,Lukas Beyer und dem Störungsmelder

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