Hooligans nach kurzem Erstarken auf dem Rückzug?

Bereits zum Ende der 1990er Jahre verzeichneten Sicherheitsbehörden einen Rückgang von Hooligans als Machtinstitution im Stadion. Geholfen hatten Sozialpädagogische Projekte und die Entwicklung der Ultras als Gegenmacht. Nun bestätigte der Bundesgerichtshof ein Urteil des Dresdner Landgerichts im Umgang mit der Gruppe „Hooligan Elbflorenz“. Das Landgericht stufte die Gruppe als „kriminelle Vereinigung“ ein. Dies bedeutet, dass sowohl die einfache Mitgliedschaft, wie auch eine Unterstützung der Gruppe kann nach § 129 strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Durch diese neue Einschätzung können umfangreiche Ermittlungen im Umfeld solcher Szenen, zum Beispiel die Überwachung der Telekommunikation, erfolgen.

Im vergangenem Jahr konnte sich die Hooliganszene mit dem Bilden zweier Bündnisse (GnuHoonters und HoGeSa) sich erstarkt zeigen. Auch zum Teil gewonnene Revierkämpfe gegen antifaschistische Ultras sorgten für mediale Aufmerksamkeit auf ein neues Hooliganproblem.

Nun haben Sicherheitsbehörden mit der Bestätigung durch das BGH ein neues Werkzeug zum repressiven Kampf gegen Hooligangruppen und sorgen für Nervosität in der Szene.

Gleich drei Hooligangruppen haben nach dem veröffentlichen des BGH-Urteils reagiert und ihre Auflösung bekannt gegeben. Teilweise haben sie die Auflösung in die Zeit vor dem Urteil zurückdatiert, um so einen vermeintlichen Rechtsschutz zu erzielen.

Bei den Gruppen handelt es sich laut dem Portal „Faszination Fankurve“[1 und 2], um die Gruppen „Standarte Bremen“, „Westfront Aachen“ (samt Untergruppen) und „Vulture Hannover 13“. Bei „Standarte Bremen“ handelt es sich um eine Hooligangruppe der älteren Generation. Standarte-Mitglied Hannes Ostendorf ist Mitgründer der Neonazi-Hooligan-Musikgruppe „Kategorie C“. Seit 25 Jahren war die Gruppe in Stadien aktiv. Seit der Entwicklung der Ultras, besonders vieler antifaschistischer Ultragruppen im Bremer Weserstadion wurden sie aus dem Stadion verdrängt. Die beiden letzten großen Auftritte der Standarte waren die Organisation der HoGeSa-Kundgebung in Hannover und eine gebuchte Schiffsfahrt zum Nordderby. Ihr letztes öffentliches Statement beendet die Gruppe mit einer Passage aus dem Böhse Onkelz Liedes „Erinnerungen“.

Die Gruppe „Westfront Aachen“ soll ebenfalls Kontakte in die rechten Szene gehabt haben. Die „Westfront“ gibt in ihrer Auflösungserklärung zwar bekannt, keine „Fußball-Fanclub oder gar eine Hooligangruppierung“ gewesen zu sein, sondern ausschließlich ein „Club kampfsportinteressierter Männer, die die selben Werte teilten“ dargestellt zu haben. Beobachter der rechten Szene in Nordrhein-Westfalen sahen allerdings in der Gruppe eine Mischszene aus Rocker, Neonazis und Hooligans im Aachener Land. Das sie sich ebenfalls im Zuge des BGH-Urteils aufgelöst haben, obwohl sie eher selten in der Öffentlichkeit mit ihrem Label ist ein Indiz für die Angst vor der Repression, welche das Urteil ausgelöst haben muss.

Ähnlich sieht es mit der Auflösung in Hannover aus. Vulture Hannover 13 besaß keinen eigenen Internetauftritt und stellte laut Szenekennern einen Zusammenschluss verschiedener rechtsoffener Gruppen dar. Im vergangenem Jahr häuften sich aus der Gruppe heraus mehrere Angriffe auf linke Fußball-Fans, und Antifaschisten. Die Reaktion am Ende des vergangenen Jahres war eine Demonstration gegen rechte Gewalt.

Die drei Auflösungen von diesem Wochenende können erst ein Anfang gewesen sein. Innerhalb der Fanszenen gibt es Skeptiker des BGH-Urteils. Das Urteil kann nicht nur auf Hooligan-Gruppen, sondern auch auf unliebsame Ultragruppen angewendet werden – so die Skeptiker des Urteils.

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