HoGeSa dreht nun völlig ab

Das Bündnis „Hooligans gegen Salafisten“ hat sich im neuen Jahr mit einem längeren Text zu Wort gemeldet, in dem es um ihr Verhältnis zu Pegida geht. Der Text ist voller verschwörungstheoretischen Phrasen gepaart mit Reichsbürgerinhalten und zum Teil so schizophren geschrieben, dass es wirkt als hätten viele Schreiberlinge sich an den Passagen versucht. Stellenweise wird man das Gefühl nicht los, dass eine durch Drogenkonsum erzeugte Paranoia die Hooligans erfasst hätte.

Das Kopfschütteln beginnt bereits beim ersten inhaltlichen Absatz: so wollen die Hooligans „intern angefangen [haben] zu recherchieren“, benötigten allerdings „Informationen aus der Motoradszene“, um eine Person als Spitzel enttarnt zu haben. Um wen es sich handelt und welche Position die Person bekleiden soll, beschreibt HoGeSa nicht, denn sie wollten „kein voreiliges Urteil fälle“. Ihre Konsequenz war die Weiterführung ihrer Recherchen, in dem sie sich „zurückgelehnt und weiter [Pegida] beobachtet“ haben.

HoGeSa-Sympathisanten auf dem Weg zu einem Treffen in Berlin © Sören Kohlhuber

HoGeSa-Sympathisanten auf dem Weg zu einem Treffen in Berlin © Sören Kohlhuber

Beim Beobachten stellten sie sich konkrete Frage. Warum demonstriert Pegida gegen Überfremdung in Orten, welche von eben dieser gar nicht betroffen sein können. Wie konnten sie so schnell anwachsen und die Organisation finanzieren?

Die Antworten dazu haben sie selber nicht parat, aber auf andere skurrile Fragen. Warum wollen sich die Ordner nicht fotografieren lassen? Ganz klar – weil es staatliche Agenten sind. Und dazu passt auch, dass eben diese Ordner Aktivisten von den Reichsbürgern der „staatenlos.info“ von der Demo verwiesen haben sollen. Die Hooligans sehen dahinter aber eine Vertuschung der staatlichen Agenten, welche den Demonstrierenden Informationen vorenthalten wollen.

Das es eine komplett abgekarteter Sache ist, erkennen die Hooligans auch bei der staatlich kontrollierten Medienlandschaft, welche sie ausgerechnet in der Springerpresse verorten. So hätten die Medien auf der einen Seite gegen Pegida gehetzt und auf der anderen Seite sie unterstützt. Das sollte wohl zur allgemeinen Verwirrung in der Bevölkerung sorgen – bei den Hooligans hat es jedenfalls geklappt. Und warum macht das der Staat? Na, ist doch logisch. Er will, dass „die da unten“ sich gegenseitig an die Gurgel gehen und eben nicht „die da oben“ angreifen. Alles unter dem Motto „teile und herrsche“. Wie soll das genau funktionieren fragt man sich da. Und auch darauf hat HoGeSa die Antwort. Es wird solange der Stempel „Neonazi“ auf eine Veranstaltung gedrückt, bis linke Bürger sich in der Pflicht sehen, diese Veranstaltung, welche ja nur den Willen des Volkes artikuliert, zu verhindern. So werden also die linken Bürger zur Marionette der Politik und der Medien gegen die „rechtsschaffenden“ Hooligans.

Das führt zu dem konsequenten Verhalten von HoGeSa: keine Zusammenarbeit mit Pegida, da diese ja vom Staat geschaffen wurden, weil – ja, so genau kommt das nicht raus. Aber es ist so. Aber wie ehrenhaft die Hooligans sind und mit welchem hehren Ziel sie auf die Straße gehen zeigen sie sich direkt nach der Absage. Denn sie werden dennoch die Veranstaltungen besuchen, da diese ja von Menschen besucht werden, die ein Recht auf freie Meinungsäußerung haben und von den linken Marionetten und der staatlichen Zensur bedroht sind. Die Gegendemonstrationen sind wie die Pegidademonstrationen beide vom Staat initiiert, nur bei den Gegendemonstranten laufen Schafe mit und bei Pegida… nicht. So die Logik der Hooligans.

Da dies nicht absurd genug ist, muss man beim Verschwörungstrip den 11.September und den Anschlag auf Charlie Hebdo noch einbringen. Mit einer verrückten Kausalkette kommen wir von staatlich initiierten Anschlägen auf Charlie Hebdo, wieder bei den staatlich organisierten Pegidademonstrationen an. Diese werden von angeblichen Terroristen bedroht, also eigentlich vom Staat. Also droht der Staat sich selber mit Anschlägen. Und das macht er, um weitere Überwachung zu legitimieren. Mal fernab davon, dass die Bundesminister gesagt haben, das das Strafgesetzbuch in seiner jetzigen Form völlig ausreichend sei, ist es ein sich schließender Kreis. Denn die Information von den vermeintlichen (staatlichen) Anschlägen auf die (staatliche) Pegida, kam von den (staatlich kontrollierte) Medien. Da biste Baff!

Warum das Ganze fragt man sich. Das fragen sich auch die Hooligans und sehen den ganz großen Wurf. Es geht darum, dass die Politiker eine europäische Streitmacht aufbauen will, ausgestattet mit allerlei europäischen Recht um dann auf „die Zivilbevölkerung“ schießen zu lassen. Warum die „Europäische Gendarmerietruppe“ dies tun sollte – man weiß es nicht.

Dafür besticht HoGeSa mit einer anderen Logik. Auf der Suche nach einem Bündnispartner sind sie nun bei den Reichsbürgern gelandet, welche vor allem um Rüdiger Klasen und seinem „staatenlos.info“ zu finden sind. Diese organisieren unter dem Label „Pegada“ (Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes) bzw. „EnDgAmE“ (Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas) am Samstag eine Demonstration in Erfurt. Als Redner trat der Französisch-Leipziger Verwirrte Stephane Simon auf, welcher in der Vergangenheit mit antisemitischen Krakelereien auf sich aufmerksam gemacht hat. Den finden auch die Hooligans toll, da er „die tatsächlichen Ursachen für die Probleme“ fernab vom Islamismus aufzählt. Weil er den Pegida-Organisatoren zu hardcore war, sortierten sie ihn aus der Rednerliste aus; HoGeSa wittert da eher eine Unterdrückung der Wahrheit. Den Kampf gegen Amerika können die Antisalafisten mit dem Schlägerimage, per wirrer Kausalkette auch durchaus als ihren Kampf verbuchen. Denn: „Gruppen wie der Islamische Staat [wurden] durch die USA aufgebaut“ und die Demonstration in Erfurt richtet sich „GEGEN die Amerikanisierung und somit auch indirekt GEGEN den Salafismus“. Muss man wissen!

Den Reichsbürgertouch verlieren die verklatschten Hooligans auch nicht in einem Forderungskatalog, den sie zum Ende artikulieren. Neben sinnvollen Fragen zu sozialen Fragen tauchen dann Dinge auf, wie die Unzufriedenheit mit der „Scheindemokratie“, welche zu beenden ist u.a. durch einen Rücktritt der Regierung. Gleichzeitig muss es ein zinsloses Geldsystem geben (hier ist das islamische sehr zu empfehlen, dass würde auch dem Ethik-Wunsch der Hooligans zu Gemüte kommen), denn durch diese Zinsen, welche die Hooligans und ihre Freunde erarbeitet hätten, würde die politische Elite im Luxus leben. Doch nicht nur das. Urplötzlich springen die Hooligans wie ein Steinbock von Vorsprung zu Vorsprung. Eben noch Kritik am Staat kommen plötzlich die Themen Tierschutz, Mansanto und Gentechnik dazu, nur um sofort beim internationalen Waffenhandel zu landen.

Die logische Konsequenz muss natürlich der Austritt aus EU und NATO sein, sowie die Etablierung echter freier Presse. Und wenn man schon dabei ist, könnte man ja auch gleich mal eine „echte deutsche Staatsbürgerschaft“, eine „gültige Verfassung in unserem Interesse“ und auch einen „Friedensvertrag“ mal durchsetzen.

Die Medien, welche ja vom Staat kontrolliert werden, haben allerdings noch eine positive Erwähnung bei den verwirrten Hools. Denn „aus Insiderkreisen der Medien haben [die Hools] erfahren, dass die Regierung Angst vor der HoGeSa hat, da sie [sie] nicht steuern kann.“. Eben noch Feindbild und Marionetten, jetzt Informanten. Da scheint im Staate vieles im Argen zu liegen und die Drohung: „Wenn ihr eure Firma nicht schließt, dann werden wir es tun“ ist dabei kausal.

Leider wurden die Themen Chemtrails, Geoengineering und Impfen nicht angesprochen. Das wird dann hoffentlich in der nächsten Erklärung zu finden sein. Bleibt nur zu sagen: Hools haut ab!

Fotos von den bisher stattgefundenen HoGeSa-Kundgebungen sind hier zu finden: Felix Steiner in Köln ; Felix Steiner in Hannover

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